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Begegnungen mit Gelsenkirchener Erdkröten

Schon seit Ende Februar ist Deutschland häufigster und verbreitetster Froschlurch wieder unterwegs zu seinen Laichgewässern: Die Erdkröte lässt sich in Gelsenkirchen an vielen Orten beobachten, etwa im Revierpark Nienhausen, im Stadtwald, am Mechtenberg, im Almagelände, auf der Halde Rheinelbe oder natürlich im Emscherbruch. Zwar ist das Laichgeschäft mancherorts bereits erledigt, aber wer in diesen Tagen nach Einbruch der Dunkelheit hinausgeht, wird noch Tieren begegnen. Bessere Chancen, Erdkröten anzutreffen, bieten allerdings etwas wärmere Tage, als das Osterwochenende sie uns beschert hat. Ein wenig Regen schadet aber nicht, im Gegenteil.

Erdkröte

Dieses markant gezeichnete Männchen hockt im flachen Wasser eines Tümpels auf der Halde Rheinelbe (April 2021).


Gewöhnlich kommt Bufo bufo in unauffälligen, „tarnfarbigen“ Brauntönen daher, doch wer genauer hinschaut, erkennt rasch, dass jedes Individuum anders aussieht: Die Grundfarbe kann alle Töne von Hell- bis Dunkelbraun umfassen, der Rücken und die Gliedmaßen können mehr oder weniger deutlich gebändert oder gefleckt sein. Und neben all den schokobraunen, karamellgelben oder olivgrünen Exemplaren fand ich einmal sogar ein kräftig orangerotes.

Bufo Bufo Farben

Gewöhnlich kommt die Erdkröte in unauffälligen Brauntönen daher, doch sieht jedes Tier anders aus (Emscherbruch, Resser Mark, Februar und März 2021).

Neben schokobraunen, karamellgelben oder olivgrünen können auch orangerote Individuen auftreten (oben Halde Rheinelbe, Mai 2019 und März 2017, unten NSG Emscherbruch nördlich der A2, beide März 2012).

Das Liebesleben der Erdkröte lässt sich am besten im Dunkeln belauschen. An manchen der genannten Stellen führen die Wege dicht an Teich- oder Tümpelufern entlang, und im Licht einer Taschenlampe kann man verfolgen, wie die Weibchen, von ihren Partnern innig umschlungen, ihre bis fünf Meter langen Laichschnüre in der Unterwasservegetation abstreifen; große Exemplare können bis zu 8.000 Eier hervorbringen! Da in Bufo-Populationen gewöhnlich ein Männchen-Überschuss herrscht, erlebt man mitunter, wie sich mehrere Freier gleichzeitig um eine Artgenossin bemühen.


Freier Erdkroeten-Paar

Wegelagerer: Vier fortpflanzungsbereite Freier warten auf paarungswillige Weibchen (Emscherbruch, Resser Mark, März 2017, 2018 und 2019).

Er hat eine: Erdkröten-Paar auf dem Weg zum Laichgewässer (NSG Emscherbruch nördlich der A2, März 2014).

Paar Sixpack

Laichendes Bufo-Paar; die um die Vegetation gewickelten Laichschnüre sind einige Meter lang und enthalten mehrere tausend Eier (NSG Emscherbruch, März 2021).

Sixpack: Manchmal kann man beobachten, wie sich mehrere Männchen gleichzeitig um ein laichbereites Weibchen bemühen (NSG am Mechtenberg, März 2021).

Überhaupt neigen liebestolle Kröteriche dazu, alles Erreichbare und von der Größe her Passende zu bespringen und zu klammern, das kann sogar ein Holzstückchen sein. Oder ein zufällig in der Nähe hockender Grasfrosch, was jedoch auf Gegenseitigkeit beruht, denn solche Fehlpaarungen sind in beiden Richtungen möglich. Dabei ist der Klammerreflex brünstiger Froschlurch-Männchen derart nachhaltig, dass sie selbst ertrunkene Geschlechtspartner so schnell nicht wieder loslassen.


Liebestoller Kroeterich Vertan!

Liebestolle Kröteriche neigen dazu, alles Mögliche zu klammern, hier ist es ein Stückchen Holz (Wiesentümpel an der L639, Herne-Wanne, kurz hinter Gelsenkirchens Stadtgrenze, März 2019).

Vertan, vertan! Dieses offenbar von einem Prädator verletzte Erdkröten-Männchen vergeht sich an einem Grasfrosch (NSG Emscherbruch, April 2018).

Grasfrosch Liebe bis in den Tod

Aber auch andersherum geht es (oder eben nicht): Ein Grasfrosch-Männchen klammert eine Erdkröte (Rapphofsmühlenbach, März 2020).

Der Klammerreflex ist dermaßen stark, dass selbst ertrunkene Partner nicht immer gleich losgelassen werden (NSG Emscherbruch nördlich der A2, April 2013).

Naturinteressierte Gelsenkirchener sind übrigens nicht die einzigen Gestalten, die B. bufo auflauern, vor allem während der Fortpflanzungszeit, wenn sie in größeren Scharen auftritt. Gar nicht selten findet man an den Ufern von Laichgewässern die sterblichen Überreste von Erdkröten, die einem Beutegreifer zum Opfer gefallen sind: So neigt der Europäische Iltis (Mustela putorius) dazu, regelrechte Nahrungsdepots mit getöteten Froschlurchen anzulegen.

Bald wird die Bufo-Laichsaison vorüber sein, aber auch danach lohnt es, hin und wieder einen Blick in die Laichgewässer zu werfen, nun auch tagsüber. Schwimmen die Kaulquappen endlich frei im Wasser, bilden sie oft dichte Schwärme, die etliche Meter lang sein können. Es ist kaum möglich abzuschätzen, wie viele Individuen sich zu solchen beeindruckenden Formationen zusammenschließen.

Opfer







Gar nicht so selten findet man an den Ufern von Laichgewässern von Iltissen angelegte Nahrungsdepots mit getöteten Erdkröten oder deren Überresten (Emscherbruch, Resser Mark, April 2014).


Ihre weitere Entwicklung verläuft zügig. Schon nach wenigen Wochen bekommen die Larven Beine, kurz darauf auch Arme, und bereits Anfang Juni lassen sich die ersten umgewandelten Erdkrötchen, die Metamorphlinge, bei ihrem ersten Landgang beobachten.

Kaulquappen Kaulquappen

Erdkröten-Kaulquappen können mehrere Meter lange Schwärme bilden. Wie viele Individuen mögen sich hier wohl versammelt haben (Emscherbruch, Resser Mark, Mai, 2013)?

Einige Kaulquappen ruhen auf dicht unter der Wasseroberfläche treibenden Pflanzenteilen; sie besitzen bereits Beine (Emscherbruch, Resser Mark, Juni 2015).

Metamorphling

Hoch hinaus: Eine erst kürzlich umgewandelte Erdkröte erklimmt Pflanzenhalme der ufernahen Vegetation (NSG am Mechtenberg, Juni 2020).

Text und Fotos: Rainer Stawikowski

Die Spießente (Anas acuta) als Wintergast

Wer derzeit am Bulmker Teich steht, um sich die verschiedenen Wasservögel anzuschauen, kann neben den bekannten Nil- und Kanadagänsen, Bläss- (die mit dem weißen Schnabel) und Teichhühnern (die mit dem roten Schnabel) und den Stockenten, seit einigen Wochen auch eine Spießente beobachten. Genau genommen handelt es sich um einen Spießenten-Erpel sogar im Prachtkleid.
SpießenteEr ist gut zu erkennen an seinem braunen Kopf und dem hellgrauen Gefieder. Charakteristisch sind eine weiße Linie, die sich vom Kopf über den langen Hals zur weißen Brust erstreckt, und die ca. 10 cm lange, spießartige Steuerfeder, der diese Enten ihren Namen verdanken. Die Weibchen sind bräunlich, und der Spieß ist nur ansatzweise zu erkennen. Sie sind etwas kleiner als Stockenten (nabu.de, online, wildtierportal- Bayern.de, online).
Der gewöhnliche Lebensraum der Spießente liegt in Nord- und Osteuropa sowie in Nordamerika. Hier bewohnt sie große, stehende Binnengewässer, Fischteiche, offene Niederungslandschaften und Überschwemmungsflächen. Wichtig für sie ist die deckungsgebende Ufervegetation, in der die Weibchen ihre Nester auf trockenem Untergrund bauen. Ihre Winterquartiere liegen in West und Mitteleuropa sowie in Mittelamerika. In Deutschland lassen sich Wintergäste häufig im norddeutschen Tiefland nieder, aber auch in Bayern können sie beobachtet werden. Sie brüten hier nur selten (nabu.de, online, lfu- bayern.de, online).
„Die Spießente unterliegt gemäß § 2 Abs.1 Nr. 2 des Bundesjagdgesetztes (BJagdG) dem Jagdrecht. Die Jagdzeit ist von 1. Oktober bis 15. Januar“ (wildtierportal-bayern.de, online). Stark bejagt wird sie in Russland, Frankreich, Belgien, Griechenland Rumänien und Afrika. Weitere Gefährdungen drohen der Spießente auch durch Trockenlegung von Moorgebieten, Gewässerausbau oder Grundwasserabsenkung. Gemäß Roter Liste wird die Spießente in Deutschland als gefährdet eingestuft und fällt unter das Abkommen zur Erhaltung der afrikanisch-eurasischen wandernden Wasservögel (AEWA). Das Einrichten von Ruhezonen in Rast- und Überwinterungsgebieten ist eine Möglichkeit, sie zu schützen (lfu- bayern.de, online, unep- aewa.org, online).
Und unser kleiner Freund? Ist er Schalke 04-Fan und wollte einmal im Leben nach Gelsenkirchen? Da er sich anscheinend gerne bei den Kanadagänsen aufhält, kann er– schaut man nicht genauer hin – für eine sehr kleine Ausgabe von ihnen gehalten werden.

Text und Foto: Mirja Mankowski

Quellen:
Bayerisches Landesamt für Umwelt 2018,k.A., Spießente, http://www.lfu.bayern.de/natur/sap/arteninformationen/steckbrief/zeige?stbname=Anas+acuta, letzter Besuch: 31.01.2021
k. A.,n. d., Artenportrait Spießente, Nabu- Deutschland, https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/voegel/portraets/spiessente/, letzter Besuch: 31.01.2021
k. A.,n. d.,  Spießente,Wildtierportal Bayern, Bayrisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, https://www.wildtierportal.bayern.de/wildtiere_bayern/236141/index.php, letzter Besuch: 31.01.2021
UNEP/AEWA Secretariat, Bonn , 2018, AEWA Species, https://www.unep-aewa.org/en/species, letzter Besuch: 31.01.2021

 

Überraschende Begegnung im Bulmker Park

Als ich an einem Sommerabend dieses Jahres gegen 23.30 Uhr eine kleine Nachtwanderung zum Teich machte, rechnete ich mit ein paar Erdkröten oder Fröschen, die ich finden würde. Was ich aber fand, erstaunte mich doch sehr. Auf der Wiese vor meinen Füßen, einige Schritte vom Wasser entfernt, spazierte ein Krebs umher. Zu dem Zeitpunkt wusste ich weder, dass dieses Verhalten eine besondere Leidenschaft dieser Krebse ist, noch dass es in Gelsenkirchen überhaupt Krebse gibt.
Bulmker Park

Anhand seines charismatischen Aussehens, der dunkelroten Färbung mit den hellroten Warzen auf den Scheren, der Dornen und der sich berührenden Rückenfurche ließ sich dieser Krebs bei der Internetrecherche sehr gut identifizieren.

Roter Amerikanische Sumpfkrebs Roter Amerikanische Sumpfkrebs
Roter Amerikanische Sumpfkrebs mit üblicher Färbung Eine albiontische Form (ebenfalls gefunden im Bulmker Teich)

Es handelt sich um den Roten Amerikanischen Sumpfkrebs oder Louisiana-Flusskrebs (Procambarus clarkii).
Sein ursprünglicher Lebensraum ist die Region rund um den Golf von Mexiko, wo er zumeist stehende Gewässer bewohnt, die sogar im Sommer austrocknen können. Er überlebt, indem er sich in eine Erdröhre eingräbt. Aufgrund seiner anspruchslosen Lebensweise und seines omnivoren Speiseplans kann er in so gut wie jedem Binnengewässer heimisch werden. Seine ausgeprägte Wanderlust ermöglicht es ihm, sich neue Lebensräume zu erschließen, sogar bis zu einem gewissen Maß salzhaltige Gewässer. Er wird ca. 2 Jahre alt (in Gefangenschaft älter) und kann eine Körperlänge von 15 cm erreichen (wirbellosen- aquarium.de).

Wie kommt ein Louisiana-Flusskrebs in den Bulmker Teich?
Für viele Aquarianer ist der dekorative Krebs ein beliebter Bewohner ihres Aquariums, allerdings sind Fische und Wasserpflanzen für ihn eine Nahrungsquelle, weswegen er sich ihnen gegenüber nicht sonderlich verträglich verhält (wirbellosen-aquarium.de). Leider entschließt sich dann der eine oder andere Aquarienbesitzer, sich des unliebsam gewordenen Insassen zu entledigen. Aus falsch verstandener Tierliebe werden diese Tiere nun oft in die Freiheit entlassen. Was dabei nicht bedacht wird, ist der damit verbundene massive Eingriff in ein bestehendes Ökosystem. So konnten sich schon einige wilde Populationen in NRW etablieren (edelkrebsprojektnrw.de).
Früher wurden die meisten Gewässer vor allem vom Edelkrebs (Astacus astacus) oder auch vom Steinkrebs (Austropotamobius torrentium) besiedelt. Beide Krebsarten waren aufgrund ihres zahlreichen Vorkommens kostengünstige Speisekrebse. Allerdings wurde schon Anfang des  20. Jh. damit begonnen, Flusskrebse aus anderen Ländern in Deutschland für den Fang auszusetzen (edelkrebsprojektnrw.de). Vor allem der Kamberkrebs (Orconectes limosus), der bereits flächendeckend in NRW vorkommt, der Signalkrebs (Pacifastacus leniusculus), und der Galizische Sumpfkrebs (Astacus leptodactylus) wurden hierfür genutzt. Der Rote Amerikanische Sumpfkrebs wurde, auch wenn er ein begehrter Speisekrebs ist, nicht gezielt für den Fang ausgesetzt (Groß et al. 2018).

Problematik
Wie schon erwähnt, sind diese Tiere sehr anpassungsfähig und können fast überall heimisch werden. Dort ernähren sie sich von allem, was sie im Gewässer finden. Daher nehmen sie, vor allem bei zahlreichem Auftreten, starken Einfluss auf die einheimische Tier- und Pflanzenwelt, indem sie vor allem Larven von dort lebenden Insekten oder Amphibien fressen.
Zu ihrer Anpassungsfähigkeit und einer hohen Vermehrungsrate kommt aber noch eine Gefahr, die von den amerikanischen Krebsarten, also z.B. auch dem Kamberkrebs und dem Signalkrebs, ausgeht. Diese Krebse übertragen die Krebspest, eine Pilzerkrankung, die für die Arten selber nicht gefährlich ist, aber der unsere einheimischen Krebsarten, der Edelkrebs und der Steinkrebs, nichts entgegenzusetzen haben und daran verenden. Sie wurden bereits in weiten Teilen Deutschlands so weit zurückgedrängt, dass sie als stark gefährdet gelten (Dost 2015; edelkrebsprojektnrw.de).
Zwar sind für den Roten Amerikanischen Sumpfkrebs noch nicht allzu viele Funde in NRW verzeichnet, doch ist er deutlich auf dem Vormarsch. So ist er schon zahlreich im Kemnader See und in der Ruhr zu finden (WAZ, Bochum).

Was kann getan werden?
Vielerorts wird versucht, die invasiven Arten abzufischen, was vor allem bei einer großen Zahl an Tieren in großen Gewässern schlicht nicht möglich ist.
Der Louisiana-Flusskrebs wurde 2016 in die Unionsliste der invasiven, gebietsfremden Arten aufgenommen. In dieser Liste benennt die EU Tier- und Pflanzenarten, die es zu bekämpfen und einzudämmen gilt, da sie das ökologische Gleichgewicht der einheimischen Flora und Fauna beeinflussen und die Biodiversität dadurch Schaden nimmt:
„Das wichtigste Instrument der neuen Verordnung ist eine rechtsverbindliche ‚Liste invasiver gebietsfremder Arten von unionsweiter Bedeutung die für die gelisteten Arten ein Verbot von Einfuhr, Haltung, Zucht, Transport, Erwerb, Verwendung, Tausch und Freisetzung festlegt. Darüber hinaus sind weitere Verpflichtungen zur Identifizierung der Einbringungs- und Ausbreitungspfade, zur Einrichtung von Überwachungssystemen, zur Minimierung von Auswirkungen schon weit verbreiteter und zur Tilgung sich neu etablierender invasiver Arten von unionsweiter Bedeutung vorhanden. (Unionsliste).“

Eine der wichtigsten Schutzmaßnahmen besteht jedoch darin, keine gebietsfremden Tiere oder Pflanzen irgendwo in der Natur auszusetzen. Diese Arten besetzen mitunter ökologische Nischen, auf die die einheimische Flora und Fauna lebensnotwenig angewiesen ist.
Gelsenkirchen ist grün und wunderschön, macht Euch auf den Weg und genießt es! Informiert Euch, was es hier alles an Natur zu bestaunen gibt, und taucht ein. Gerade in der heutigen Zeit, in der wir nicht viele Möglichkeiten haben, uns auf den üblichen Wegen unterhalten zu lassen, bietet ein Spaziergang durch den Wald oder auf eine Halde eine gelungene und (ent)spannende Abwechslung.
Und diese Abwechslung ist schützenswert.
Text und Foto: Mirja Mankowski

Quellen
•    Dost, U. (2015): Der Signalkrebs macht sich in unseren Gewässern breit. – D. Aqu. u. Terr. Z. (DATZ) 68 (6): 28–33.
•    Groß, H., C. Burk & A. Hill (2008): Die Flusskrebsfauna in NRW. – Natur in NRW 4: 52–56.
•    Nehring, S. & S. Skowronek (2017): Die invasiven gebietsfremden Arten der Unionsliste der Verordnung (EU) Nr.1143/2014 – Erste Fortschreibung 2017. – BfN-Skripten 471, Bonn.
•    http://www.wirbellosen-aquarium.de/krebse/procambarus/clarkii.html
•    https://www.edelkrebsprojektnrw.de/flusskrebse/nicht-heimisch/roter_amerikanischer_sumpfkrebs.php
•    https://www.waz.de/staedte/bochum/sumpfkrebs-aus-usa-bedroht-heimische-tierwelt-in-bochum-id229560840.html, B. Kiesewetter, 02.09.20209

Neues von der Südlichen Mosaikjungfer in Gelsenkirchen

Vor etwa einem Jahr berichtete ich hier über die ersten Nachweise der Südlichen Mosaikjungfer (Aeshna affinis) in Gelsenkirchen. Nach den damals geschilderten Begegnungen war diese Edellibelle auch in diesem Jahr wieder im Stadtgebiet zu erwarten. Tatsächlich ließ sie sich sogar über einen längeren Zeitraum und in höherer Individuenzahl beobachten als 2019.
Die ersten Exemplare sah ich am 13. Juli 2020 im NSG „Emscherbruch nördlich der A2“: zwei oder drei fliegende Männchen und ein Weibchen, das damit beschäftigt war, seine Eier unter dem dicht wachsenden Gras in den feuchten Erdboden zu legen. Bei der Südlichen Mosaikjungfer beginnt die Eiablage eigentlich im Tandem. Das Männchen bleibt nach der Paarung bei seiner Partnerin und hält sie mit seinen Hinterleibsanhängen fest. Es kommt aber vor, dass Paare sich nach einiger Zeit trennen, sodass die Weibchen allein mit dem Absetzen der Eier fortfahren. Einigen Veröffentlichungen zufolge soll das jedoch nur auf Exemplare der gelbgrünen Weibchenform zutreffen. Individuen der blauen Farbform wurden offenbar noch nie „solo“ bei der Eiablage beobachtet. Hängt das damit zusammen, dass die grünen Weibchen aufgrund ihrer Tarnfärbung weniger auf die schützende Anwesenheit der Männchen angewiesen sind? Auch bei meinem Tier handelte es sich um ein gelbgrünes, und die wenigen Fotos, die mir später in ähnlichen Situationen gelangen, zeigen ebenfalls ausschließlich grüne Exemplare.

Ein Weibchen der gelbgrünen Farbform ruht an einem Schilfstängel Grünes Weibchen bei der Eiablage, ist seine Färbung ein Tarnkleid?

Ein Weibchen der gelbgrünen Farbform ruht an einem Schilfstängel

Grünes Weibchen bei der Eiablage, ist seine Färbung ein Tarnkleid?


In den kommenden Wochen nahm die Zahl der Tiere rasch zu. An manchen besonders sonnigen und warmen Sommertagen war die Südliche Mosaikjungfer, sieht man einmal von der nahezu allgegenwärtigen Blutroten Heidelibelle (Sympetrum sanguineum) ab, im NSG nördlich der A2 die dominierende Großlibelle, einmal zählte ich über 15 Männchen. An weiteren Standorten (beiderseits der Münsterstraße südlich der A2) trat A. affinis ebenfalls auf, doch sah ich hier lediglich einzelne Männchen.

Ein Tandem mit grünem ... ... und ein Paarungsrad mit blauem Weibchen

Ein Tandem mit grünem ...

... und ein Paarungsrad mit blauem Weibchen

Je höher die Individuendichte einer Art ist, desto häufiger ergeben sich Gelegenheiten, spannende Einblicke in ihre Lebensweise zu nehmen. Neben einzelnen – bezeichnenderweise grünen – Weibchen, die sich an einem Halm im Röhricht oder an einem Zweig in einem Strauch zum Ruhen niedergelassen hatten, bekam ich etliche Tandems und Paarungsräder zu sehen sowie zahlreiche Paare bei der Eiablage – sowohl mit grünen als auch mit blauen Weibchen. Je weiter das Gelände abtrocknete, desto häufiger begegnete ich Tieren, die an und unter Totholzstücken, zwischen Pflanzenteilen oder in kleinen Vertiefungen des feuchten Erdbodens ihre Eier ablegten. Einmal erlebte ich sogar, dass ein Paar einen besonders tiefen meiner eigenen Fußabdrücke als Eiablageplatz aufsuchte!

Zwei Paare bei der Eiablage: Dieses grüne Weibchen legt seine Eier in die teils vertrocknete Vegetation, ... ... während dieses blaue Weibchen sie in feuchtes Totholz sticht

Zwei Paare bei der Eiablage: Dieses grüne Weibchen legt seine Eier in die teils vertrocknete Vegetation, ...

... während dieses blaue Weibchen sie in feuchtes Totholz sticht


Etwa ab Mitte August nahm die Zahl der Südlichen Mosaikjungfern zugunsten der nun immer häufiger auftretenden Herbst-Mosaikjungfern (Aeshna mixta; erste Sichtung am 10.8.) nach und nach ab, die letzte Begegnung mit A. affinis hatte ich am 6. September. Somit war die Art über einen Zeitraum von immerhin acht Wochen im NSG nördlich der A2 präsent (zum Vergleich: 2019 vom 18.7. bis zum 30.8, also sechs Wochen); ein Blick in die Datenbank nrw.observation.org zeigt, dass sie es in diesem Sommer an keinem weiteren Standort in NRW so lange „ausgehalten“ hat!

Ein Männchen hat ein Tandem der Blutroten Heidelibelle überwältigt und frisst nun an dem Weibchen (in der Bildmitte im Hintergrund das rote Männchen) Selbst als ich es ergreife, frisst das Männchen unbekümmert weiter

Ein Männchen hat ein Tandem der Blutroten Heidelibelle überwältigt und frisst nun an dem Weibchen (in der Bildmitte im Hintergrund das rote Männchen)

Selbst als ich es ergreife, frisst das Männchen unbekümmert weiter


Abschließend eine interessante Beobachtung zum Nahrungserwerb. Gegen Ende der Aktivitätsphase (am 1. September) traf ich auf zwei Männchen von A. affinis, die in einem Abstand von wenigen Metern zueinander auf dem Boden saßen und ihre Beute verzehrten. Beide Tiere hatten jeweils ein Tandem der Blutroten Heidelibelle überwältigt und ließen sich bei ihrer Mahlzeit durch meine Anwesenheit überhaupt nicht stören, sodass ich in aller Ruhe das Kameraobjektiv wechseln und sie aus nächster Nähe fotografieren konnte. Selbst als ich eine der Libellen vorsichtig mit den Fingern ergriff, fraß sie ungerührt weiter ...

Text und Fotos: Rainer Stawikowski 

Wer singt denn da?

Über frühlings- und sommernächtliche Laubfrosch-, Kreuz- und Geburtshelferkröten-Konzerte auf der Halde Rheinelbe berichtete ich bereits („Wer ruft denn da?“). Anfang Juli bekommen die stimmgewaltigen Froschlurche nicht minder lautstarke Konkurrenz. Ein weithin hörbares, melodisches, lang anhaltendes Zirpen ertönt mit Beginn der Dämmerung, nimmt im Lauf des Abends an Intensität zu und endet erst in den frühen Morgenstunden. Dem einen oder anderen Haldenbesucher mag dieser minutenlange Gesang, der gewöhnlich mit „drü-drü-drü“ umschrieben wird, bekannt vorkommen. Hat er ihn nicht schon einmal in den Sommerferien in Südwestdeutschland oder gar am Mittelmeer vernommen? Das kann doch nur eine Grille sein!

Südosthang der Halde Rheinelbe

Südosthang der Halde Rheinelbe, in der Gras-, Kraut- und Strauchvegetation lebt das Weinhähnchen

Ja, das ist eine Grille. Wer sie zum ersten Mal zu Gesicht bekommt, was gar nicht so einfach ist, staunt vermutlich über ihr Format. Im Vergleich zu bekannteren Verwandten wie Feld- oder Maulwurfsgrille ist das Weinhähnchen auffallend schlank, richtig zierlich, und mit seiner Länge von höchstens 13 (Männchen) beziehungsweise 20 Millimetern (Weibchen, einschließlich Legeröhre) auch nicht gerade groß. Und dieser Zwerg ist in der Lage, so laut zu singen, dass man ihn mehrere hundert Meter weit deutlich vernehmen kann? Hören Sie selbst: Weinhähnchen
Der Name lässt es schon vermuten, diese Schrecke mag es etwas wärmer. Sie haust zwar nicht ausschließlich in Weinbergen, liebt aber klimatisch bevorzugte Lagen. In Deutschland bewohnte die Art ursprünglich vor allem den Oberrhein, doch infolge des Klimawandels breitet sie sich immer weiter nach Norden aus. Sonnenexponierte Industriebrachen wie der südöstliche Hang der Halde Rheinelbe sind geeignete Lebensräume, und so war es nur eine Frage der Zeit, bis Oecanthus pellucens, so der wissenschaftliche Name dieser Grille, auch in Gelsenkirchen-Ückendorf auftauchte.
Schon vor einigen Jahren entdeckten Biologen das Weinhähnchen auf Rheinelbe, und bei meinen nächtlichen Amphibienexkursionen kam ich immer wieder in den Genuss seines Gesangs. An einem lauen Abend Mitte September begab ich mich endlich gezielt auf die Suche, ausgerüstet mit Taschenlampe, Tonaufnahmegerät und Kamera, begleitet von meinem Sohn Arne. Kaum war es dunkel, ertönte oben auf der Halde das Zirpen mehrerer Tiere, und wir meinten, sie ziemlich genau zu orten. Doch sobald wir uns einem der Sänger näherten, wurde sein Singen plötzlich leiser, und er schien nun weiter entfernt. Aber das war nur eine akustische Täuschung: Weinhähnchen sind in der Lage, die Lautstärke ihres Gesangs zu variieren, sodass es ziemlich schwierig sein kann, sie zu finden. Wir hatten jedoch Glück. Im Lichtstrahl seiner Lampe entdeckte mein Sohn ein Exemplar auf einem etwa halbmeterhohen Strauch. Da saß es mit seinem strohfarbenen Tarnkleid ganz offen auf einem Stängel und machte überhaupt keine Anstalten, dem hellen Licht zu entfliehen! Auch als wir die Grille aus nächster Nähe fotografierten, von oben, von vorn, von rechts und von links, schien sie nicht sonderlich beeindruckt und kletterte ohne Hast auf ihrer Pflanze umher. An der langen Legeröhre war sie eindeutig als Weibchen zu erkennen. Zufrieden verließen wir den Strauch.

Weinhähnchen Weinhähnchen

Weinhähnchen, beachte die langen Fühler; an der unübersehbaren Legeröhre ist dieses Tier sofort als Weibchen zu erkennen

Dasselbe Weibchen in der Draufsicht, seine Hinterflügel enden leicht zugespitzt

Aber halt, weibliche Weinhähnchen sind doch stumm, sie können gar nicht singen! Also hatten wir den gesuchten Sänger doch nicht entdeckt, sondern eine Artgenossin, die womöglich von seinem Konzert ebenso angelockt worden war wie wir? Der Ehrgeiz packte uns, natürlich wollten wir jetzt auch noch ein Männchen finden. Unermüdlich leuchteten wir eine ganze Reihe vermeintlicher Weinhähnchen-Sitzwarten ab, doch zunächst ohne Erfolg. Eigentlich befanden wir uns schon auf dem Abstieg, als Arne oberhalb der Gabionen am Südosthang plötzlich rief: „Hier sitzt eins!“ Auch dieses Tier hockte deckungslos auf seiner Pflanze und schien sich durch die hellen Scheinwerfer ebenso wenig gestört zu fühlen wie unser erstes Exemplar. Und es war tatsächlich ein Männchen, das sich zu unserer Freude während der Fotositzung genauso kooperativ verhielt wie das Weibchen! Wir waren glücklich!


Männchen des Weinhähnchens Männchen des Weinhähnchens

Männchen des Weinhähnchens, da es keine Legeröhre besitzt, ist es noch kleiner als das Weibchen

Dasselbe Männchen in der Draufsicht, seine Flügelenden sind im Gegensatz zu denen des Weibchens verbreitert

Nun liegt unsere Weinhähnchen-Exkursion schon einige Wochen zurück. Bei schönem Wetter kann diese Grille zwar noch bis Ende Oktober aktiv sein, doch jetzt, Ende September, haben wir so richtig Herbst, es ist kühl, und es regnet – endlich! Steigt man am Abend auf die Halde, wird man keine Kröten, Frösche und Schrecken hören, es ist still geworden. Aber der nächste Frühling und der nächste Sommer kommen bestimmt, und dann wird es auf Rheinelbe wieder lebendig laut!

Tipp: Wer mehr über Grillen und andere Schrecken wissen möchte, ist mit diesem Buch bestens bedient. Fischer, J., D. Steinlechner, A. Zehm, D. Poniatowski, T. Fartmann, A. Beckmann & C. Stettmer (2016): Die Heuschrecken Deutschlands und Nordtirols. Bestimmen, Beobachten, Schützen. – Quelle & Meyer Verlag, Wiebelsheim.


Text und Fotos: Rainer Stawikowski

Bock auf Käfer?

Wer in dieser Jahreszeit durch den immer noch neuen Bürgerpark Hassel (ja, wie soll er denn nun heißen?), durch den Stadtwald oder durch den Emscherbruch spaziert, wird am Wegrand auf den Blüten von Dolden- und Korbblütlern, auf Disteln, Brennnesseln oder auch auf totem Holz – mit etwas Glück und offenen Augen – schlanke Käfer entdecken, die vor allem wegen ihrer langen, gebogenen Fühler auffallen, die – etwas Fantasie vorausgesetzt – an die Hörner des Steinbocks erinnerten, was ihnen die deutsche Bezeichnung „Bockkäfer“ eingebracht hat. Manche Cerambyciden (so heißen sie wissenschaftlich) fallen zudem mit ihrem stattlichen Format oder aufgrund ihres kontrastreichen Farbkleids auf. Sechs (Gelsenkirchener) Vertreter – insgesamt leben in Mitteleuropa ungefähr 200 Arten – seien hier kurz vorgestellt.
Emscherbruch
Waldweg im frühsommerlichen Emscherbruch, ein Blick auf die Blüten lohnt sich!

Der Moschusbock (Aromia moschata) gehört zu den großen Arten, erreicht er doch eine Länge von vier Zentimetern. Unterwegs ist er von Juni bis August, gern sucht er Totholz auf. Er kann ein nach Moschus duftendes Sekret absondern, das man früher zum Aromatisieren von Pfeifentabak benutzte.
Moschusbock
Der Moschusbock gehört zu den großen Cerambyciden

Markantestes Merkmal des Scheckhorn-Distel- oder Nesselbocks (Agapanthia villosoviridescens) sind die grau und schwarz geringelten Fühler. Der Linienhalsige Halmbock, wie er auch noch genannt wird, kann über zwei Zentimeter lang werden und lässt sich bereits ab Mai beobachten, häufig auf Brennnesseln und Disteln.
Nesselbock
Die geringelten Fühler sind ein „Markenzeichen“ des Scheckhorn-Distelbocks

Der Rothalsbock (Paracorymbia rubra) ist einer der „schwierigen kleinen Roten“, die der Laie (so auch ich) gern miteinander verwechseln. Der Gemeine Bockkäfer (ein weiterer Name für die Art) wird höchstens zwei Zentimeter lang und ist von Juni bis September regelmäßig auf den Blütenständen von Dolden- und Korbblütlern anzutreffen.
Rothalsbock
Leicht mit anderen „kleinen Roten“ zu verwechseln: Rothalsbock

Aber um welche Art handelt es sich bei dem zweiten hier abgebildeten „kleinen Roten“, vielleicht um den Fleckenhörnigen Halsbock (Paracorymbia maculicornis), der nur gut einen Zentimeter lang wird und in den Monaten Juni und Juli fliegt? Sollte es ein Besucher unserer Website besser wissen, möge er es uns bitte mitteilen – wir freuen uns über jede Kritik!
Fleckenhörniger Halsbock?
Ist das ein Exemplar des Fleckenhörnigen Halsbocks?

Hübsch schwarz und gelb gebändert kommt der bis zwei Zentimeter lange Vierbindige Schmalbock (Leptura quadrifasciata) daher, sein kontrastreiches Outfit wird als Warnfärbung angesehen (Wespen-Mimikry). Die Weibchen der von Juni bis August fliegenden Art sind an den gelblich braunen Fühlerenden zu erkennen (schwarz bei den Männchen).
Vierbindige Schmalbock m. Vierbindige Schmalbock w.
Mimikry: Mit seinem Farbkleid imitiert der Vierbindige Schmalbock eine Wespe; Männchen haben schwarze, Weibchen braune Fühlerenden

In ähnlichem Wespen-Look präsentiert sich der ebenfalls bis zwei Zentimeter lange und von Juni bis August aktive Gefleckte Schmalbock (Rutpela maculata), bei dem außerdem die Beine und die Fühler schwarz und gelb gezeichnet sind.
Gefleckter Schmalbock
Ein Gefleckter Schmalbock an einer Distelblüte

Wer mehr über Bockkäfer – ihre Vielfalt, ihre Biologie und ihren Schutzstatus – lernen möchte, findet – zum Einstieg – einige ganz nützliche Artikel im Internet. Heft 4/2018 von „Natur in NRW“ bietet einen sehr lesenswerten Aufsatz über die „Bockkäferfauna Südwestfalens“. Und dann gibt es noch das zweibändige Standardwerk „Die Bockkäfer Mitteleuropas“ (ISBN 978-3-89432-474-2)
Text und Fotos: Rainer Stawikowski

Wer ruft denn da?

Unter Insidern hat es sich längst herumgesprochen: Die Rheinelbe-Halde in GE-Ückendorf ist ein kleiner Amphibien-Hotspot. Nicht weniger als acht Arten – zwei Schwanz- und sechs Froschlurche – lassen sich hier beobachten. Nicht alle gleichzeitig, denn hinsichtlich ihrer Fortpflanzungsphasen, in denen sie ja besonders aktiv sind, unterscheiden sich die Lurchis teilweise recht deutlich.
(Alytes obstetricans) und Laubfrosch Zwei der drei Froschlurche, um die es hier geht, pflanzen sich regelmäßig auf Rheinelbe fort, der dritte taucht seit einigen Jahren immer wieder als Gast auf. Alle drei beginnen ihre Balz- und Laichaktivität in der Regel im April – und kündigen sie mehr oder weniger lautstark an, die Rufe fortpflanzungsbereiter Tiere sind unverwechselbar. Wer sie hören und ihre Erzeuger sehen will, begibt sich am besten mit fortschreitender Dämmerung auf die Halde, denn Kreuzkröte (Epidalea calamita), Geburtshelferkröte (Alytes obstetricans) und Laubfrosch (Hyla arborea) sind richtige Dunkelmänner, die sich tagsüber außerhalb ihrer Versteckplätze kaum sehen lassen".
Kreuzkröteriche machen mit lang anhaltenden, krächzenden oder schnarrenden Balzrufen auf sich aufmerksam. Wer sie zum ersten Mal hört, wird über ihre Stimmgewalt staunen, vor allem wenn zehn, zwanzig oder noch mehr Freier gleichzeitig rufen. Die hier wiedergegebene Tonaufnahme (DR0000_0115_Epidalea) mag einen Eindruck vermitteln; man hört zuerst ein einzelnes Männchen, kurz darauf fallen mehrere Mitbewerber ein.
Nicht lange dauert es, und die ersten laichbereiten Artgenossinnen finden sich ein; im Licht einer Taschenlampe lassen sich die klammernden Paare auf dem Weg zum oder im Laichgewässer beobachten, wo die Weibchen ihre mehrere Meter langen Laichschnüre im flachen Wasser absetzen.
Anders als Erdkröten (Bufo bufo), die ihren gesamten Vorrat an Eiern und Spermien auf einen Schlag im zeitigen Frühjahr absetzen, können Kreuzkröten – je nach Witterung und Wasserstand – mehrmals im Jahresverlauf laichen (jedes Weibchen allerdings nur einmal), was sich im letzten Jahr auf Rheinelbe gut verfolgen ließ: Die ersten Weibchen waren Anfang April aktiv, Ende Mai folgte ein zweiter Schub, und Anfang August setzten die letzten Tiere der Population ihre Eier ab.

Rufendes Männchen der Kreuzkröte Ein Paar hat sich gefunden, manche Individuen der Kreuzkröte sehen richtig bunt aus Laichschnüre der Kreuzkröte
Rufendes Männchen der Kreuzkröte Ein Paar hat sich gefunden, manche Individuen der Kreuzkröte sehen richtig bunt aus Laichschnüre der Kreuzkröte

Auch die Fortpflanzungszeit der Geburtshelferkröte beginnt im April und endet im September. In dieser Zeit sind die zwar nicht sehr lauten, aber dennoch markanten Rufe gut zu hören (Männlein und Weiblein rufen). Manche Autoren vergleichen die Laute mit dem Klang kleiner Glöckchen („Glockenfrosch“), andere mit Funksignalen (DR0000_0114_Alytes).

Alytes ist der einzige Froschlurch unserer Breiten, der außerhalb des Wassers laicht und Brutpflege treibt. In der Regel findet die Paarung in einem Versteck statt, häufig, aber nicht ausschließlich, bei Dunkelheit. Das Männchen wickelt die Laichschnüre mit den großen, gelben Eiern um seine Hinterbeine („Fesslerkröte“), trägt sie fünf bis sechs Wochen mit sich umher und entlässt die schlupfbereiten – im Vergleich zu Erd- oder Kreuzkrötenlarven schon sehr großen – Kaulquappen ins Wasser, natürlich in der Nacht, wenn es dunkel ist ...


Geburtshelferkröten während der Paarung Männchen mit einem weit entwickelten Gelege Das Freisetzen der Kaulquappen erfolgt bei Nacht
Geburtshelferkröten während der Paarung Männchen mit einem weit entwickelten Gelege Das Freisetzen der Kaulquappen erfolgt bei Nacht

Die Fortpflanzungszeit des Europäischen Laubfrosches dauert in der Regel von März/April bis Mai/Juni. Rheinelbe bietet der Art allerdings keine geeigneten Laichgewässer. Bei den hier auftretenden Tieren handelt es sich lediglich um Besucher, die aus einem rund einen Kilometer entfernten Naturschutzgebiet anwandern. Das hindert die Männchen jedoch nicht daran, ihre Anwesenheit mit den charakteristischen „Äpp-äpp-äpp“-Rufen zu bekunden, deren Lautstärke selbst einen vielstimmigen Kreuzkröten-Chor übertönen kann! Die Tonaufnahme entstand am 18. Mai an einem der Tümpel am Fuß der Himmelstreppe und gibt den „Dialog“ zweier Männchen wieder (DR0000_0147_Hyla).


Rufendes Laubfrosch-Männchen auf der Halde Rheinelbe
Rufendes Laubfrosch-Männchen auf der Halde Rheinelbe

Text, Bild- und Tonaufnahmen: Rainer Stawikowski

Endlich fliegen sie wieder!

Ob Stadtgarten oder Wissenschaftspark, Emscherbruch oder Nordsternpark – überall, wo es Tümpel und Teiche gibt, lassen sie sich jetzt wieder beobachten: Zu den frühen Libellen, die bereits seit April unterwegs sind, gehören die hier vorgestellten vier Klein- und zwei Großlibellen; sie zählen zu den häufigsten und verbreitetsten Odonaten (so heißen diese Insekten wissenschaftlich) und finden sich auch an den Ufern naturnaher Gartenteiche ein.
Im Jahresverlauf lassen sich die folgenden Arten (und viele weitere) in Gelsenkirchen beobachten, darunter auch die eine oder andere Rarität, die dann sicher auch den Weg auf unsere Facebook-Seite finden wird. Bislang sind im Stadtgebiet nicht weniger als 47 Arten nachgewiesen worden (80 gibt es in Deutschland).
(Text und Bilder von R. Stawikowski)
Mit ihren Ocker- und Brauntönen kommt die rund vier Zentimeter lange Gemeine Winterlibelle (Sympecma fusca) eher unscheinbar daher. Sie überwintert als Vollinsekt (Imago) und ist im Frühjahr die erste Kleinlibelle, die sich zur Eiablage am Wasser einfindet. Nur wenig später taucht die etwas kleinere Frühe Adonislibelle (Pyrrhosoma nymphula) auf. Mit ihrer kräftig roten Farbe – ähnlich der Blütenfarbe mancher Adonisröschen – fällt sie dem Betrachter gleich ins Auge. Allerdings gibt es Weibchen, deren Hinterleib (Abdomen) oberseits mehr oder weniger schwarz ist. Nun lässt auch die ebenso große Hufeisen-Azurjungfer (Coenagrion puella) nicht mehr lange auf sich warten. Männchen präsentieren sich in leuchtendem Hellblau und tragen eine hufeisenförmige Zeichnung auf dem Bruststück (Thorax). Weibchen sind gewöhnlich grün und auf dem Rücken schwarz. In dieselbe Größenklasse gehört die Große Pechlibelle (Ischnura elegans), an manchen Gewässern die häufigste Art – und zugleich eine der ausdauerndsten, fliegt sie doch (je nach Witterung) bis in den Herbst. Ein Kennzeichen ist die hellblaue „Laterne“ an den letzten Segmenten des oberseits pechschwarzen Abdomens. Männchen besitzen einen blauen Thorax, bei den Weibchen kann er blau, grün, violett, rosa, gelblich oder braun aussehen.
Mit ihren Ocker- und Brauntönen kommt die rund vier Zentimeter lange Gemeine Winterlibelle (Sympecma fusca) eher unscheinbar daher. Sie überwintert als Vollinsekt (Imago) und ist im Frühjahr die erste Kleinlibelle, die sich zur Eiablage am Wasser einfindet.





Nur wenig später taucht die etwas kleinere Frühe Adonislibelle (Pyrrhosoma nymphula) auf. Mit ihrer kräftig roten Farbe – ähnlich der Blütenfarbe mancher Adonisröschen – fällt sie dem Betrachter gleich ins Auge. Allerdings gibt es Weibchen, deren Hinterleib (Abdomen) oberseits mehr oder weniger schwarz ist.



Nun lässt auch die ebenso große Hufeisen-Azurjungfer (Coenagrion puella) nicht mehr lange auf sich warten. Männchen präsentieren sich in leuchtendem Hellblau und tragen eine hufeisenförmige Zeichnung auf dem Bruststück (Thorax). Weibchen sind gewöhnlich grün und auf dem Rücken schwarz.



In dieselbe Größenklasse gehört die Große Pechlibelle (Ischnura elegans), an manchen Gewässern die häufigste Art – und zugleich eine der ausdauerndsten, fliegt sie doch (je nach Witterung) bis in den Herbst. Ein Kennzeichen ist die hellblaue „Laterne“ an den letzten Segmenten des oberseits pechschwarzen Abdomens. Männchen besitzen einen blauen Thorax, bei den Weibchen kann er blau, grün, violett, rosa, gelblich oder braun aussehen.
Große Pechlibelle (Ischnura elegans). Männchen besitzen einen blauen Thorax, bei den Weibchen (hier im Bild) kann er blau, grün, violett, rosa, gelblich oder braun aussehen. Als eine der ersten Großlibellen ist der bis fünf Zentimeter lange Plattbauch (Libellula depressa) „auf den Flügeln“, mit seinem breiten Hinterleib ein richtiger Brummer. Frisch geschlüpfte Tiere sind gelb; das ist die Farbe der Weibchen, die mit dem Alter jedoch dunkler werden. Der Hinterleib reifer Männchen erstrahlt in einem wachsartigen Hellblau, sodass in der Vegetation ruhende Tiere schon von Weitem ins Auge fallen. Plattbauch (Libellula depressa): Frisch geschlüpfte Tiere sind gelb; das ist die Farbe der Weibchen, die mit dem Alter jedoch dunkler werden. Etwa zur gleichen Zeit lässt sich der Vierfleck (Libellula quadrimaculata) blicken. Er ist geringfügig größer und deutlich schlanker als sein dicker Vetter. Beide Geschlechter tragen ein braunes Farbkleid. Charakteristische Merkmale sind die jeweils vier schwarzen Flecke sowohl auf den Vorder- als auch auf den Hinterflügeln. Bevorzugt der Plattbauch Gewässer mit pflanzenfreien Zonen, sucht der Vierfleck lieber vegetationsreiche Habitate auf.
Große Pechlibelle (Ischnura elegans). Männchen besitzen einen blauen Thorax, bei den Weibchen (hier im Bild) kann er blau, grün, violett, rosa, gelblich oder braun aussehen.







Als eine der ersten Großlibellen ist der bis fünf Zentimeter lange Plattbauch (Libellula depressa) „auf den Flügeln“, mit seinem breiten Hinterleib ein richtiger Brummer. Frisch geschlüpfte Tiere sind gelb; das ist die Farbe der Weibchen, die mit dem Alter jedoch dunkler werden. Der Hinterleib reifer Männchen erstrahlt in einem wachsartigen Hellblau, sodass in der Vegetation ruhende Tiere schon von Weitem ins Auge fallen.
Plattbauch (Libellula depressa): Frisch geschlüpfte Tiere sind gelb; das ist die Farbe der Weibchen, die mit dem Alter jedoch dunkler werden.








Etwa zur gleichen Zeit lässt sich der Vierfleck (Libellula quadrimaculata) blicken. Er ist geringfügig größer und deutlich schlanker als sein dicker Vetter. Beide Geschlechter tragen ein braunes Farbkleid. Charakteristische Merkmale sind die jeweils vier schwarzen Flecke sowohl auf den Vorder- als auch auf den Hinterflügeln. Bevorzugt der Plattbauch Gewässer mit pflanzenfreien Zonen, sucht der Vierfleck lieber vegetationsreiche Habitate auf.